Am ersten Wiesnsonntag marschieren 9.000 Trachtler und Schützen mit Blasmusik von der Maximilianstrasse über den Altstadtring und die Schwanthalerstrasse auf das Festgelände. Während des großen Umzugs sind die betreffenden Strassen für den Verkehr gesperrt.
Ich bin dem Rummel entkommen und stehe schön ruhig und gelassen am Flughafen. Eine Gruppe Kölner kommt auf meinen Taxibus in der Busspur zu. Alle sind gutgelaunt. Das Gepäck wird verstaut. Fahrziel Marriot Courtyard Hotel in der Schwanthalerstrasse. Ein Blick auf die Uhr; 11.30 Uhr, erster Wiesnsonntag – Schene Gaudi! Mein Kommentar:
„Schaun ma moi.“
Die Kölner sind wie wir Bayern Kelten und verstehen den Spaß. Da flüchte ich 38 Kilometer vor dem Rummel und Verkehrschaos und dann geht’s mittenrein in den Hexenkessel. Die Gäste sind guter Laune und ich werde auch immer lustiger. Gestern noch waren sie in Köln beim Früh. Ein altes Kölner Traditionslokal am Heinzelmännchenbrunnen nahe des Doms. Ich kann passieren. Im Früh bin ich immer wenn ich in Köln bin. Und das ist schließlich mindestens einmal im Jahr. Der kundige Taxifahrer weiß, das ist nicht nur zur Taximesse, denn die ist nur alle zwei Jahre. Ich glänze mit meinen Kenntnissen über HimmelunÄd, Halver Hahn und das Kölner Bier, das dort die Köppesse servieren.
Inzwischen kommen wir dem Stadtzentrum immer näher. Isarparallele, rechts in die Prinzregentenstrasse, durch die Prinz-Carl-Palais-Unterführung. Wir kommen rauf zum Platz der Opfer. Seltsamerweise vom Verkehr noch keine Spur. Wir stehen an der roten Ampel vor dem Haus des Haus des Bayerischen Bieres. Auf der gegenüberliegenden Seite räumen zwei Polizisten genau in dem Moment die Absperrung zur Seite, in dem wir die Stelle passieren. Wie bei Ali Baba (Sesam, öffne dich!) geht das Spiel den ganzen Altstadtring entlang bis in zum Fahrtziel in der Schwanthalerstrasse. Immer räumt die Polizei die Absperrung vor uns weg. Das bringt mich in den Genuss eines Anblicks, den ich während zwanzig Jahren Taxi und erst recht nicht während des Oktoberfestes hatte. Die Schwanthalerstrasse fast ohne Autos. Wenn das nur während der zwei nächsten Wochen so wäre.

Wenn ich eine Öllampe finde, werde ich kräftig daran reiben und dem erscheinenden Dhin meinen Wunsch vortragen.

