Das ist die Panzerwiese im Münchener Norden, direkt vor unserer Haustüre, zwischen der Ingolstädter und der Schleißheimer Straße. Hier wäre mit unserem Jagdkurs am Sonntag die Beizjagd (Jagd mit Greifvögeln) gewesen. Wäre, den das Wetter hat uns einen Strich durch die Rechnung gemacht. Die Treibjagdsimulation am morgigen Samstag ist auch ins Wasser, respektive in den Schnee, gefallen. Schade, seit Monaten haben wir uns auf die Boaz gefreit. Wann hat man denn Gelegenheit, unter Anleitung eines Falkners, so eine Jagd mitzuerleben.
Den Falkner, Wolfgang , haben wir gestern Abend zu Gesicht bekommen. Er betreibt hauptberuflich die Falknerei Schreyer. Wolfgang zeigt die für uns wichtigen Greifvögel. Wir sitzen im Unterrichtsraum der Waidmannsgilde. Die Gasvitrinen an den Wänden sind vollgestopft mit Präparaten. Das meiste davon ist Federwild. Wolfgang räumt ein Präparat nach dem anderen aus den Vitrinen und erklärt uns die Unterschiede. Die Vielzahl ist überwältigend. Das Federwild ist für mich noch ein unüberblickbares Thema. Bis jetzt hatte ich keinen Bezug zu den gefiederten Tieren. Ernüchterung machte sich breit, als ich in einem Lehrbuch die Abbildungen von 20 verschieden Enten sah. Dann noch innerhalb der Rassen sollen wir zwischen Erpel und Weibchen unterscheiden. In meinen Augen sehen die Weibchen alle gleich aus.
Bei den Greifvögeln ist das Unterscheiden der Geschlechter etwas einfacher. Der Terzel (männlicher Greifvogel, Sprinz wird nur der männliche Sperber genannt) ist immer etwa ein Drittel kleiner und leichter als sein Weib. (so wird das weibliche Gegenstück genannt) . Sich von den Allgemeinheiten zu den Besonderheiten durchzuarbeiten ist eine gute Methode den umfangreichen Lernstoff einzuteilen. So gewinne ich allmählich einen Überblick. Weitere Gemeinsamkeiten sind; Greifvögel leben in Einehe, diese dauert mindestens ein Jahr, kann aber auch ein ganzes Leben dauern. Greifvögel brüten einmal jährlich zwischen 28 und 45 Tagen. Die Nestlinge (die Jungen) werden sehend mit weißen Daunen befiedert geboren und beiben Nesthocker bis sie schließlich Ästlinge (kurz vor dem Flüggewerden) werden. Das war es dann auch schon mit den Gemeinsamkeiten.
Der Falkner beginnt mit den Habichten. Die Habichte werden links von uns aufgebaut. Die Sperber gehören zu der gleichen Unterfamilie wie die Habichte. Der Sperber hat die gleiche Zeichnung, braune Querstreifen, auf der Brust wie der erwachsene Habicht. Die Sperber sind aber kleiner als die Habichte und bauen ihre Horste jedes Jahr neu, im Gegensatz zum Habicht, der seinen Horst jedes Jahr nur etwas ausflickt.
Die nächste Gruppe, die Bussarde, werden auf den Tisch gepackt. Für uns gibt es drei wichtige Arten; der Mäusebussard, der Rauhfußbussard und der Wespenbussard. Der Rauhfußbussard ist hier nur als Wintergast. Er kommt aus Skandinavien und Russland und nutzt hier die vergleichsweise milden Winter. Dem Wespenbussard hingegen sind unsere Winter zu kalt, er überwintert in Afrika.
Wir lernen zu zwischen Gleitstoßgreifer, Pirschgleiter und Stoßfluggleiter zu unterscheiden. Die Weihen, auch von denen gibt es für uns drei relevante Arten erkennt man am Gaukelflug. Es sind auch die Einzigen Bodenbrüter unter den Greifvögeln.
Der Tisch wird immer voller, es kommt noch der Rot- und Schwarzmilan, der Wander-, Turm- und Baumfalke dazu. Der ausgestopfte Steinadler bleibt im Schrank. Die Eulen und Kauze werden uns an der Wand hängend gezeigt.
Ich freue mich schon die interessanten Vögel in der Natur zu beobachten, und vor allen Dingen ERKENNEN zu können.
Hallo Reinhold,
AntwortenLöschendu bist ja echt engagiert bei deinem Jäger-Lehrgang. Alle Achtung!
Eines kann ich mir aber nicht verkneifen : Du weißt ja, Fliegen fliegen und Vögel ...
Reinhold - um Himmels Willen! Tippfehler kommen immer mal vor, aber doch bitte nicht an so bedeutender Stelle: Was in aller Welt ist eine "Gasvitrine"?! Fangt ihr die Tiere etwa lebendig und steckt sie dann in besagte???
AntwortenLöschen"In meinen Augen sehen die Weibchen alle gleich aus." - das ist politisch unkorrekt zu sagen! ;D
AntwortenLöschen@ DirtyD
AntwortenLöschenDas habe ich mir nicht zu schreiben getraut. Wäre aber ein tolles Suchwort für Klicks.
@ Bernd
Greifvögel sind ganzjährig geschont. Die kommen nicht in die Gasvitrine. In den Eierfabriken/Legebatterien werden die männlichen Kücken zu hunderten in solchen Containern vergast.
@ Christian
Freiheit, Gleichheit, Schwesterlichkeit. Jetzt ist es politisch korrekt.
@ Reinhold:
AntwortenLöschen"Freiheit, Gleichheit, Schwesterlichkeit. Jetzt ist es politisch korrekt."
Nein, nicht wirklich. :-)
Aber es hat mich schon immer gewundert, warum im Reich der Tiere die Männchen meist sehr auffällig und "reich dekoriert" daherkommen und die Weibchen gleichzeitig unauffällig sind, ja geradezu "Tarnkleidung" tragen, um möglichst nicht mal in ihrer SCHIEREN EXISTENZ wahrgenommen zu werden, während es bei den Menschen genau andersherum zu sein scheint.
Wobei:
Bei den Menschen schmückt sich der ansonsten eher unauffällig gekleidete Mann halt mit Auto, Haus und Yacht in Marbella. Also doch nix Neues.