Da war ja gar nichts los, heute beim Taxifahren. Alle Kollegen, die schon wussten, dass zwischen den Jahren Flaute herrscht und gleich gar nicht rausgefahren sind, hatten sich richtig entschieden. Ich bin heute Mittag gleich zu meinem Hotel und habe mich davor aufgebaut. Aufgebaut ist genau das richtige Wort für das was dann folgte.
Der erste Kollege warnte mich vor: “Ich stehe hier schon drei Stunden.“
Ich bleibe, ich will mein Glück versuchen. Ich quatsche mit den Sicherungsposten, die vor den amerikanischen Hotels aufgebaut sind. Wenn es mir kalt wird, setzte ich mich in mein Taxi und fange an für meine Jägerprüfung zu lernen. Der erste Kollege hatte Glück und war 20 Minuten nach meiner Ankunft schon weg. Ich stehe und stehe und stehe. Heute hab ich mir das Lehrheft mit dem Thema Federwild mitgenommen. Im ersten Kapitel geht es um Grundsätzliches. Merkmale aller Vögel. Das die zum Tierstamm der Wirbeltiere gehören und Eier legen war mir schon bekannt. Aber schon bei der Verdauung wird es interessant. Es gibt Körner-, Pflanzen-, Fleisch- (z.B. meine geliebten ->Greifvögel) und Allesfresser. Die Unterschiede lerne ich schon am Schnabel kennen. Das Vögel keine Harnblase haben, war mir noch nicht bekannt. Die Waidmannssprache unterscheidet beim Kot Losung, Gestüber und Geschmeiß.
Kein Kunde kommt, ich arbeite in aller Seelenruhe das Kapitel durch. Am Ende des Kapitels gibt es noch eine Reihe von Fragen. Bei der Bearbeitung dieser Fragen soll man sich noch mal mit dem Stoff beschäftigen, wichtig für den mündlichen Teil der Prüfung. Meine erste Frage:
In welche Familie teilt sich das in Deutschland vorkommende Federwild auf?
Das Geschäft schläft, die Sicherungsposten haben schon wieder gewechselt, ich habe viiieel Zeit. Ich packe meinen Notizblock aus und beginne mit meinem Quittungskugelschreiber, rotem Filzstift aus der Laptoptasche und mit dem Bleistift in meinem Kalender einen Eintrag zu basteln. Um es gleich vorweg zu nehmen, es gibt zwölf Familien, die aus sieben Ordnungen entspringen und in zwölf Unterfamilien münden. Manchen Familien überspringen die Unterfamilie und die Gattung und münden gleich in die Art. Die Ordnung der Ciconiiformes (Storchenverwandte) beinhaltet die Familie der Scolopacidae (Schnepfenvögel) . Dann geht es ohne Unterfamilie und Gattung gleich zu der Art Waldschnepfe. Von meiner Lehrzeit kenne ich solche Systematiken aus dem Bereich der Botanik. Ich muss zugeben, es macht mir Spaß. Wenn die Systematik sitzt kann ich jedes neue Tier eindeutig zuordnen. Verwandte Tiere haben Ähnlichkeiten und sind so leichter zu bestimmen oder anzusprechen, wie der Jäger sagt. Beim Ansprechen werde ich mich schon noch bemühen müssen. Die Vielzahl der Tiere, besonders des Federwildes, macht mir Kopfzerbrechen. Ich hoffe ich kriege das noch in den Griff. Meine erste Prüfung ist schon Mitte Mai 2011.
Am meisten scheue ich die Enten. So viele und für mich schauen die alle gleich aus. Hier drehe ich die Systematik um. Gehe von der Art zum Reich. So wird es immer leichter:
Stockenten, Krickenten, Knäkenten, Schnatterenten, Spießenten, Löffelenten und Pfeifenten gehören zu der Gattung der Schwimmenten (andere Gattungen wären Brand-, Tauch-, Meeresenten und Säger). Die Schwimmenten gehören zu der Unterfamilie der Anatinae (Entenverwandte) diese wiederum zu der Familie der Anatidae (Entenvögel) diese Familie gehört zur Ordnung der Anseriformes ( Enten- und Gänseverwandten, die Endungen sind wie in der Botanik). Diese zur Unterklasse der Neognathae ( Neukiefervögel), jetzt wird es leicht, denn diese gehören zu den Vögeln -> Wirbeltiere-> Gewebetiere -> Tierreich.
So male und schreibe ich mit meinem Lehrbuch auf dem Lenkrad. Die Sicherheitsposten haben sich inzwischen schon zum dritten Mal abgelöst. Ich kann sogar meine Einträge fotografieren, das Foto auf den Laptop laden und den Post schreiben. Jetzt brenne ich schon mindestes drei Stunden im Taxi. Zum Glück war ich mit meinen Gedanken woanders.
Ich hoffe, dein Taxitag war erfolgreich und du hast jetzt alle Büroarbeiten erledigt.
AntwortenLöschenMeine Unterlagen hatte ich nicht dabei – eine gute Ausrede für: Ist nicht so spannend. Bei den momentanen Wartezeiten kann ich gleich die Buchhaltung für das Hotel, vor dem ich stehe, mit übernehmen.
AntwortenLöschenhi reinhold,
AntwortenLöschenich wünsche dir und deiner familie ein gutes neues jahr,
denn das alte ist bald alle.
ganz gut dass es ruhiger ist, denn wenn man
zum jahreswechsel hart arbeiten muss, dann sagte ich
mir immer, dann wird das ein hartes jahr.
einfach schön deine posts aus dem taxigewerbe münchen zu lesen.
die blogaufrufe beantworten das große interesse deiner posts.
die teilnehmer der taxischule berichten mir dementsprechend positiv
über deinen blog „er –fahren“.
alles gute für dich weiterhin.
tony von der taxischule aus münchen
Und wenn er nicht erfroren ist, dann steht er noch 2001 da.
AntwortenLöschenDir alles Gute fürs nächste Jahr.
2011 natürlich.
AntwortenLöschen@ Tony
AntwortenLöschenVielen Dank für deine Glückwünsche. Ich werde dich nächstes in Jahr in deinen Kurs besuchen. Dann kann ich deine Taxischule vorstellen. In den Keywords, unter denen der Blog gefunden wird, taucht immer wieder die Frage auf; „Wie werde ich Taxifahrer?“.
Zumindest den Münchenern könnten wir da eine gute Adresse nennen.
@ Klaus
Danke für deine Glückwünsche. Nach Berlin auch viel Gesundheit und Erfolg! Dein Verschreiber 2001 hat mich zu meinem heutigen Post inspiriert. Trixis Filmmusik – Stöckchen hätte ich ja beinahe vergessen.