Donnerstag, 9. Dezember 2010

Als Erster im Tal


Gestern war ein langer Tag. Aufstehen um 2.30 Uhr. Die ersten Fahrgäste erwarten mich um 3.30 Uhr und wollen zum Flughafen. Wenn Privatleute einmal im Jahr in den Urlaub fliegen starten wir oft schon drei Stunden vor Abflug am Flughafen in der Stadt. Im Internet, auf der Buchungsplattform, dort werden oft solche Billigurlaube gebucht, lesen sie, dass sie zwei Stunden vor Abflug da am Schalter sein sollen. Um ganz sicher zu gehen rechnen wir noch mit einer Stunde Fahrt für die 35 Kilometer. Und schon klingelt der Wecker bei mir mitten in der Nacht um 2.30 Uhr. Wenigstens komme ich so zu einer guten Zeit am Flughafen an und kann Frühstücken und später schlafen.
Bei meiner Lieblingsbäckerei, direkt bei der Ankunft im Terminal 2, gibt es noch keine Butterbrezen. Wie soll ich meinen Tag ohne Brezen beginnen? Ich kaufe zwei Kaffee. Der zweite ist für meinen Kollegen. Ich bringe ihm den Kaffee in sein Taxi. Das Taxi steht eingeschneit in der Reihe. Nach der Zigarette, die wir noch im Freien genießen, setzten wir uns ins warme Taxi und aus meinem Schlaf wird auch nichts.
Nach vier Stunden dann die Fahrt zurück in die Stadt zum Arabella Sheraton, Arabellastrasse. 61,- € Kreditkarte. Jetzt aber nach Hause. Vorher fahre ich bei einem Bäcker vorbei – diesmal habe ich Glück! Ich bekomme meine Brezen. Und meine Familie jetzt auch.
Kaum zuhause, schmiere ich noch Butter auf die Brezen und Semmeln . Der zweite Schlafversuch klappt auch nicht. Die Kleine kommt aus der Schule. Ich muss mittags habe ich sowieso wieder meinen nächsten Einsatz. Nachmittags fahre ich einen jungen Mann, der extrem genervt ist. Er wurde von der Polizei erwischt, als er betrunken mit dem Fahrrad fuhr. Jetzt muss er seine zwölf Sozialstunden ableisten. Bei der Zieladresse, Einsteinstraße 92, stehen schon acht von diesen kleinen orangefarbenen Traktoren mit Schneeräumschild und Salzstreuern vor dem Haus. Ich kann mir schon vorstellen was mein Fahrgast in den nächsten Stunden macht.
Am Taxistand im Tal spiele ich mit meinem neuen Telefon. Es ist ganz flach, die Kamera ist ganz in der Ecke auf der Rückseite. Ich kann aus ungewohnten Perspektiven fotografieren. Das Foto schicke ich dann per E-Mail an den Blog. Deshalb war das Foto schon gestern Abend, zeitnah, fast live, im Blog und der Text folgt erst heute Morgen.
Heute Abend ist noch Jagdunterricht im Jagdmuseum. Jetzt kommt eine Dame, steigt ein und will zum Platz der Opfer (des Nationalsozialismus). Sie hat dort ihr Auto geparkt. Sie steigt aus, bezahl, parkt ihr Auto aus, ich freue mich über den freien Parkplatz und parke mein Taxi. Ich bin noch früh dran. Am Wittelsbacher Platz ist mittelalterlicher Weihnachtsmarkt. Problem ist nur ich muss bei Frankonia vorbei. Frankonia kannte ich bis jetzt nur als Munitionslieferant für meine Pistole. Das war immer nur ein schnelles Geschäft. Rein in den Keller, 1000 Stück 9x19 und dann wieder weiter. Jetzt aber als Jagdschüler ist der Laden mit seinem Sortiment ein kleines Paradies für mich. Leider nicht ganz billig.
Ich komme natürlich nicht vorbei! Ich gehe in den Laden. Das erste Mal in den ersten Stock. Den hatte ich während der letzten Jahre nur von außen gesehen. Nur mal schauen. Was passiert? Ich komme mit Stiefeln wieder raus. Die sind eine Nummer zu groß, aus grünem Neopren mit einer dicken Sohle. Wenn man die Arme und Beine streckt und ruckhaft geht, sieht man aus wie Frankensteins Monster. Ich hab das gleich beim Anprobieren im Laden vorgeführt. Bei den feinen Herren hab ich aber nur verlegenes Lächeln geerntet. Die Versuchung ist groß, bei dem Dreckswetter die Stiefel gleich anzuziehen. Aber größer als die Versuchung sind die Stiefel und ich beschließe das Schuhwerk nur außerhalb der Zivilisation zu tragen. Kann sein, dass ihr mich mal mit den Stiefeln auf einem Foto im Blog erwischt. Die monströsen Stiefel werden im Kofferraum verstaut. Schnell über den Mittelalter – Weihnachtsmarkt. Die Händler sind alle als Kaufleute verkleidet. Manche tragen Felle über den Schultern. Es gibt Spezereyen wie Flammkuchen, Knödel und Met. Warmer Met wäre jetzt toll. Schade, ich muss noch nüchtern bleiben. Die Zeit verrinnt, der Jagdkurs beginnt. Ich gehe stracks durch die Fünf Höfe. Ich stehe vor der Frauenkirche. Linksrum komme ich zu weit nach Osten, rechtsrum ist eine Baustelle an der Kirche, der Umweg wäre zu groß. Also mittendurch. Ich öffne die schwere Flügeltüre, jetzt ist auch noch Messe, ich gehe eilig aber ruhig hinter den Gläubigen zur schweren Türe auf der anderen Seite. Ich erwische den uniformierten Aufpasser, der sonst die Touristen ermahnt ruhig zu sein, wie er mit den Zehenspitzen ein benutztes Papiertaschentuch unter eine Kirchenbank stupst. Ich freue mich schelmisch, dass mich mein profanes Vorhaben „Abkürzung“ durch den Münchener Dom führt. Jetzt noch ein Stück durch die Fußgängerzone. Im Jagdmuseum nehme ich die Treppe mit großen Schritten. Pünktlich plumpse ich zwischen meine „Grünröcke“ auf meinen Platz. Das heutige Thema ist Niederwild. Wir sehen Bilder von Mardern, Wieseln, lernen den Unterschied zwischen Hase und Kaninchen. Bei den Seehunden halten wir uns nicht solange auf, die werden in der bayerischen Jägerprüfung nicht gefragt. Dafür müssen die Jagdschüler in Schleswig-Hohlstein nichts über Gemsen lernen. Warum wohl?
Nach dem ereignisreichen Tag trinke ich mit Robert noch an unserer ESSO Tankstelle einen Pfefferminztee (ja, es fror mich tatsächlich).
Zuhause lasse ich die Stiefel besser im Kofferraum. Taktisch klug wäre es, sie erst zu erwähnen, wenn die unausweichliche Frage, was ich mir zu Weihnachten wünsche, auftaucht.

0 Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Kommentarformular-Meldung hier

LinkWithin

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...