Montag, 25. Oktober 2010

Uschl und Oschl

Flughafenfahrten sind immer gut. Sie bringen von der Stadt zum Hafen oder umgekehrt immer so um die 55,- bis 60,-€ Umsatz. Vorbestellungen sind besser. So spart man sich die Wartezeit am MUC, die sich in Einzelfällen auf über sechs Stunden ausdehnen können. Oder man hat Glück und erwischt einen Flughafenstich besetzt von der Stadt. Natürlich gibt es flughafenlastige Standplätze. Vor den großen Hotels ist die Chance auf eine Flughafenfahrt viel größer als in einem reinen Wohngebiet.
Noch besser ist es, wenn die Vorbestellungen dann auch noch so zusammenpassen, dass man besetzt raus und rein kommt. Dieses Glück hatte ich gestern. Eine Vorbestellung von einem Kollegen zum Hafen, dort stelle ich mich an, erwische eine Fahrt in die Stadt. Ich kann dann gleich zu meiner nächsten Adresse fahren. Die Gäste, diesmal meine eigenen, bringe ich zum Flughafen. Eine Stunde später landet die Maschine mit meinen Leuten zurück in die Stadt. Als Dreingabe, hat die Organisation noch eine Betreuerin mit der S-Bahn geschickt, die die Gäste empfängt. So spare ich mir auch das Warten mit Schildchen in der Hand vor dem Ausgang. Sonntags ist der Verkehr auch nicht so stark. Alles klappt wie am Schnürchen.
Heute am Montag, schnappe ich mir die erste besetzte Fahrt zum Flughafen. Montags ist der Ankunftstag am Flughafen. Ich muss vor 6 Uhr da sein. Dann kann ich mich gleich oben am Terminal anstellen und muss nicht am unwirtlichen AGIP warten. Oben am Terminal gibt es einen Kiosk, Toiletten, eine Bäckerei. Wir können uns bei dem kalten Wetter im Flughafengebäude aufwärmen.
Der Ansturm der Fluggäste auf die Taxis beginnt um ca. 7.30 Uhr. Der Verkehr auf der A9 in die Stadt ist heute, wie jeden Montagmorgen, dicht. Die sonst so willkommene Fahrt in die Stadt ist jetzt für die Flughafenfahrer nicht so lukrativ. Es kostet zuviel Zeit bis man sich wieder zum zweiten Stich anstellen kann. Der sonst nicht so gerne gesehenen Fahrten in die nähere Umgebung werden interessant. Man kann sich gleich wieder einreihen und spart sich eine Menge Taxis die sonst vor einem stehen würden.
Man gewinnt bis zu vier Reihen, sagen die Flughafenprofis. Meine südafrikanischen Fahrgäste wollen nach Unterschleißheim, von den Flughafenfahrern nur Uschl genannt. Oberschleißheim heißt entsprechend Oschl. So entkomme ich auch dem Verkehr und kann mich zu meinem zweiten Stich anstellen. Die Fahrt bringt 32,-€. Das ist weniger als eine Fahrt in die Stadt. Aber die Profis meinen es würde sich lohnen, wenn der Flughafen rennt.

Der Flughafen rennt, damit meint der Taxler; es kommen viele Fahrgäste. Weitere Fachausdrücke, mit denen der Geschäftsgang am Flughafen beschrieben wird, sind:
Der Hafen ist tot = es geht überhaupt nichts, man brennt bis zu sechs Stunden
Der Hafen zieht = etwas besser als normal
Der Hafen rennt = noch etwas besser, viele Fahrgäste
Der Hafen brummt = das Optimum, beste Geschäftslage
Jetzt können auch Nicht – Taxifahrer (Es soll welche geben ;-) ) mit der Aussage:
“Wenn der Hafen rennt, bist mit am Uschlstich gut dran!“ etwas anfangen.

4 Kommentare:

  1. Du holst mich mit deinem Bericht zum Glück aus der ´Sich-wunder-Welt´ zurück. Vor kurzem sagte mir nämlich eine FahrgästIn, vom Flughafen ins Zentrum läge man bei 120,-€! Bißchen viel für ca. 30 km.

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  2. @ Bernd:

    Zum Zentrum ist es zwar ein bisschen mehr als 30 Kilometer, trotzdem wären 120.- Euro für die Strecke ein Preis, der im Taxigeschäft wohl als kriminell zu bezeichnen wäre - Mietwagen dürfen verhandeln was sie wollen soweit mir bekannt (und da gibt es dann wohl auch Transferpreise von bis über 200.- Euro). Voraussichtlich im Dezember erhöht sich der Münchner Taxitarif etwas, was aber auch Zeit wird, denn insbesondere bei größeren Gruppen sind Fahrten mit dem persönlichen Chauffeur und Tür-zu-Tür-Service im Münchner Taxi mittlerweile teils billiger als mit der Streifenkarte und in den Massenverkehrsmitteln U- und S-Bahn. Bizarr.

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  3. Gibt es eigentlich immer noch diese Tourenverweigerer, die nicht ins Umland fahren wollen? Als ich noch in MUC Taxi fuhr (bis ´99) und auch in FS lebte, hörte man immer wieder Klagen von Fahrgästen über unfreundliche Taxler, die sich weigerten, nach Hallbergmoos o.ä. zu fahren.

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  4. @ Marco:

    Klar gibt es die. Entweder vergrault man den Kunden gleich am Taxistand. Oder man zieht die Kurzfahrt-Karte durch, fährt mit dem Kunden zur nahen Agip-Tankstelle oder zur Lufthansa-Ankunfts-Ebene T2 Nord und packt den Fahrgast dort mit einer Ausrede ("habe jetzt gleich Feierabend", "komisch - ich glaube mein Motor ist kaputt" oder dergleichen) in ein dort zufällig vorbeifahrendes Taxi (dessen Fahrer mit der Fahrt wenig Probleme hat, da er ja nicht anstehen mußte). Dann stellt man sich dank der Kurzfahrtregelung wieder ganz vorne in die Taxistand-Reihe und hofft auf eine "bessere" Fahrt. Wahlweise wird der Kunde auch transportiert, dann aber auf dem ganzen Weg beschimpft was es doch für eine Unverschämtheit sei so eine kurze Strecke mit dem Taxi zu fahren. Ich hatte mal einen Fahrgast an Bord, der so von einem schimpfenden "Kollegen" nach Freising transportiert wurde. Weil der Taxifahrer wohl die 20-Minuten-Regelung noch schaffen wollte (im Falle von Freising fast immer ein Ding der Unmöglichkeit) studierte er während der Fahrt den auf seinem Schoß ausgebreiteten Stadtplan - das im Stand zu tun würde schließlich wertvolle Zeit kosten. Als Resultat knallte er in eine Baustelle, wobei sich der Fahrgast eine blutende Platzwunde am Kopf zuzog. Und so hat der liebe Kollege dann den Fahrgast in Freising am Fahrtziel (und nicht etwa in der Klinik) abgekippt. Der PROFESSIONELLE Taxifahrer weiß: 80% der Flughafenfahrten gehen nach München. Das ist erwiesene Statistik. Arbeite ich regelmäßig am Flughafen habe ich also stets gleichbleibend vergleichsweise wenige "Kurzfahrten" (die den Fahrgast immerhin noch meist etwa 20,00 € kosten - also für den Gast auch nicht wirklich wenig Geld) und weit überwiegend weite, ab und an auch SEHR weite Fahrten. Nachdem das also eine unveränderliche Konstante ist, freue ich mich meinetwegen über die "langen" Strecken, behandle jedoch selbstverständlich den "Kurzfahrt"-Fahrgast mit genau der Freundlichkeit die man zu Recht von einem Dienstleister erwarten kann! Was für den Taxifahrer nun wirklich kein großer Zusatzaufwand ist, aber der gesamten Taxibranche so viel mehr an Sympathien, und letztlich Folgeaufträge mit erhöhten Gewinnen bringen würde!

    Gruß Christian

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