Dienstag, 19. Oktober 2010

Frankello im Hasenbergl

Meine kleine Tochter bringt drei Ermäßigungskarten für den Zirkus aus der Schule mit nach Hause. Im Hasenbergl, gleich bei uns um die Ecke, gastiert der Zirkus Frankello. Ich gönne mir seit sechs Wochen endlich ein freies Wochenende. Entsprechend voll ist dann auch mein Samstagsprogramm. In der Früh ins Lehrrevier, dann ins Schießkino (Dazu der vorherige Post), dann nach Grub bei Poing, dort gibt’s für uns Prewaidmänner das sich zur Tradition entwickelnde Jägerschnitzel, ab nach Hause in die Wanne, ein wirklich heißes aber zu kurzes entspannendes Vollbad. Die Kleine schreit mir aus der Küche die aktuelle Uhrzeit ins Badezimmer, auf das wir ja nicht den Zirkus verpassen.
Dann fahren wir in freudiger Erwartung rüber vom Harthof ins Hasenbergl. Von hinten aus dem Taxi bekomme ich immer zeitnah die Meldung über gesichtete Zirkusplakate.
“Dort bei der Bushaltestelle … Dort am Laternenpfahl … Dort am Gartenzaun“
Vor der Zirkuskasse müssen wir noch etwas warten. Robert stößt zu uns, wir lösen die ermäßigten Karten, kaufen eine Tüte Popcorn und setzten uns auf die zugewiesenen Plätze.

Unter dem Zeltdach hängt, angestrahlt von einem Scheinwerfer, einsam ein Saxophon. Die Musik unter der Leitung des Trompeters und Sohns des Zirkusdirektors beginnt zu spielen. Der Vorhang öffnet sich und ein Clown stolpert in die Manege. Er begrüßt die Zuschauer. Die Beleuchtung ändert sich. Die Manege ist jetzt in diffuses, buntes Licht getaucht. Das Saxophon wird herabgelassen. Der Clown schnappt sich das Instrument. Eine Nebelmaschine erzeugt Rauch. Spot auf den Clown, der jetzt saxophonspielend, betont lässig, über die Brüstung der Manegeneinfassung schlendert. Plötzlich teilt sich der Vorhang unter der Musikempore und vier stattliche, mit Federn geschmückte, Pferde traben in das Zirkusrund. Von den Zuschauern hört man leise Ahs und Ohs. Mich beeindruckt dieser Epilog, ein gelungener Beginn.
Eine der ersten Nummern ist das Vertikalseil. Eine Artistin vollführt Kunststücke an dem Seil. Jetzt tritt zum ersten Mal Benito auf. Wir erkennen ihn, er war es, der vorher an der Zirkuskasse saß. Benito bringt das Seil zum rotieren.
Zwei Nummern später; die Spanischen Tücher. Benito hängt die doppelten Stoffbahnen an einen Haken inmitten der Manege. In der Mitte der Tücher hängt er. Der Seilzug hebt die Tücher an. Benito beginnt zu laufen. Er hebt ab. Die Enden der Stoffbahnen flattern über seine Schultern. Wie ein Engel dreht er immer höher steigend seine Runden.
Die letzte Nummer vor der Pause, Thema Orient, drei Familienmitglieder, wahrscheinlich die Töchter zeigen einen Bauchtanz. Wer betritt von hinten feuerspeiend die Szenerie? Benito! Eine der Grazien setzt sich in eine Kugel. Benito sticht acht scharfe Säbel durch die besetzte Kugel. Zieht sie theatralisch wieder heraus, öffnet die Kuppel und die junge Dame steigt unversehrt aus ihrer Umhüllung. Zum Abschluss der Morgenlandschau steigt Benito barfuss über eine Leiter aus Säbeln, deren Griffe er mit dem Feuerstrahl aus seinem Mund in Brand gesteckt hat.
In der zweiten Hälfte erleben wir Benito noch mal mit Kunststücken an einem Seil unter der Zirkuskuppel schaukelnd. Eine der Artistinnen erkennen wir als Popcornverkäuferin wieder.
Es ist ein klassischer Wanderzirkus, der typischerweise betrieben von der Artistengroßfamilie, seit fast 200 Jahren besteht. Uns hat es allen gefallen. Eine willkommene Abwechslung unter den Dinner – Live – Shows, Varietés und Entertainmentgroups die ich während der letzten Jahre gesehen habe.
Wenn man die Freude als Maßstab nimmt, kann ->Frankello ganz oben mithalten. Ich habe mich immer gefragt wie heute, bei all dem Unterhaltungsangebot, ein Wanderzirkus bestehen kann. Ich glaube es ist die Zirkusluft, die Familie, die Atmosphäre, die Freude die in den Zuschauerrängen um einen herum entsteht, die diese Form der Unterhaltung vor dem Aussterben bewahrt – hoffentlich.

1 Kommentare:

  1. Die Wanderzirkusse? Schreiende kleine Kinder halten sie am Leben! ;-)

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