Donnerstag, 18. März 2010

Live im Schlachthof

Nach meiner Schülerfahrt habe ich noch eine Stunde Zeit bis zur Besprechung unseres Einsatzes während des Stofffrühlings.


Die Besprechung ist im Kursraum im Hinterhof unserer Taxi-Genossenschaft, die Schülerfahrt endet in Sendling. Ich will in der Nähe frühstücken. Neben Sendling, wo auch unsere Genossenschaft sitzt, liegt direkt das Schlachthofviertel. Von einem Metzger habe ich vor Jahren einen Tipp und eine Einladung zu Weißwürsten bekommen. Heute will ich das wiederholen.


Gegenüber dem Schlachthof in der Zenettistrasse ist das Wirtshaus zum Schlachthof. Das Wirtshaus wurde durch die Kabarettreihe „Live aus dem Schlachthof“ bekannt. Auf dem kleinen Foto (zum Vergrößern bitte anklicken) sieht man links im Hintergrund auf der anderen Straßenseite einen kleinen Teil vom Schlachthof. Der Saal, in dem Veranstaltungen, wie z.b. Live aus dem Schlachthof, stattfinden ist rechts an das Wirtshaus angebaut. An der Rückseite des Platzes Zenettistraße 11, auf dem das Wirtshaus steht, gibt es eine kleine Durchfahrt auf ein Betriebsgelände. Auf dem Gelände findet man alle Angebote, die ein Metzger braucht. Es gibt eine Messerschleiferei, eine Firma, die Därme verkauft, einen Kühlfahrzeugverleih. Leicht rechts versetzt hinter der Einfahrt ist eine Metzgerei. Hier kaufen Gastronomen größere Mengen an Fleisch und Wurst ein. Um zu den Weißwürsten zu kommen gehe ich durch die Metzgerei und komme zum Gaßner.

Das Stüberl hat von 5:30 Uhr bis Mittag geöffnet. Die Stammgäste sind Metzger, Metzger und Metzger. Leicht an den Gummistiefeln, weißen Kitteln und Kopfbedeckung zu erkennen. Am großen Tisch sitzt eine Gruppe ältere Männer. Aus dem Gespräch entnehme ich; es sind ehemalige Viehhändler. Sie unterhalten sich über die alte Zeit, ich vermute es handelt sich über die 60er oder frühen 70er Jahre. Mich überrascht, dass der Eine oder Andere heute noch weiß, wie viel Mark er für dieses oder jenes „Keibe“ (Kalb) bezahlt hat.

Meine Weißwürste kommen, schön frisch, frischer geht’s ja wohl nicht mehr, in heißem Wasser in einer Porzellanschüssel. Die wahre Spezialität, das war auch der Inhalt des Tipps meines Metzgers, ist der Mari – Senf. Den Senf habe ich nirgendwo anders gesehen. Basis ist der bekannte Münchener süße Senf. Der Pfiff ist aber der Meerrettich im Senf. Der Rettich und der karamellisierte Zucker sind verantwortlich für den seltenen süß-scharfen Geschmack. Ob eine Maria Erfinderin und Namensgeberin des Senfs ist muss ich bei meinem nächsten Besuch erfragen.


Bei diesem ausgeprägten Stammpublikum, was bei dieser Lage nicht verwunderlich ist, sind die interessierten Blicke auf den Neuankömmling wohl selbstverständlich.

Kommentare:

  1. Meine These woher der Maria-Senf seinen Namen erhielt:

    Einst fuhr ein Viehändler einmal wieder auf Minga ("nach München").

    Nachdem er für de Kaibe einen ordentlichen Erlös erzielen konnte wollte er seinen Erfolg gebührend mit einem g´scheiten Weißwurschtfrühstück feiern.

    Gleich erinnerte er sich dabei jedoch mit Grauen an einen billigen, massenproduzierten Senf der ihm dereinst sein letztes Weißwurschtfrühstück gehörig versaut hatte!

    Gläubiger Katholik der er war, schickte er sogleich ein Stoßgebet gen Himmel: "Heilige Mutter Gottes, laß es nicht wieder dieses grausame Industrieprodukt sein!"

    Und, oh Wunder - man kredenzte ihm seine Weißwurscht mit einem deliziösen, unter Zugabe von Meerrettich zu einem Meisterstück der voralpenländischen Spitzengastronomie gereiften Über-Senf!

    "Maria hat geholfen" dachte der Viehhändler andächtig bei sich während er schweigend sein Weißwurschtfrühstück kostete.

    Und seitdem heißt der Senf MARIA-Senf.

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  2. Und der Wirt, a gscheida Mo, hat schnell erkannt, dass Viechdandler, nach einem einbringenden Geschäft gute Kunden sind. Sofort hat er verfügt; von nun an darf in seiner Wirtschaft nur noch Senf mit Meerrettich versetzt auf den Tisch gestellt werden.

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