Donnerstag, 11. März 2010

Gewechselt

Taxifahrer, zumindest in den größeren Städten, kennen das Szenario. Es gibt eine Veranstaltung, ein Sport – Event oder ein Kongress. Die Premium – Autohersteller stellen Limousinen werbewirksam zur Verfügung. Gefahren werden die Fahrzeuge von Fahren, oft selbständig, die dem Veranstalter dieser Einsätze ihre Leistung in Rechnung stellen. Abgerechnet wird nach Einsatzstunden. Die Fahrer und Fahrzeuge erregen den Unmut der Taxikollegen.

In München ist ein internationaler medizinischer Kongress im Krankenhaus Großhadern. Audi stellt 20 neue A8 zur Verfügung. Diesmal bin ich auf der „anderen Seite“ dabei. Wir Fahrer erscheinen mit dunklen Anzügen am Treffpunkt. Die entsprechenden Krawatten, bei Audi sind sie grellrot, werden ausgegeben. Mir wird ein A8 mit Vollausstattung zugeteilt. Ich brauche Minuten um mich bei den 1000 Knöpfen und Reglern zu orientieren. Für die Stunde können wir 11,- € brutto in Rechnung stellen. Davon gehen zuerst 19 % Umsatzsteuer und später entsprechend Einkommenssteuer ab.

Unsere Aufgabe ist es einen Teil der Kongressteilnehmer, die VIPs, zwischen Flughafen, Hotel, Kongress und Abendveranstaltung zu shuttlen. Die Fahrzeuge werden auf die Hotels aufgeteilt. Vor jedem Hotel, in dem die VIPs abgestiegen sind, soll mindestens ein Auto zur Verfügung stehen. Ich fahre vor das Holiday Inn City Center. Dort treffe ich Fahrer, die ich von früher kenne. Ich bemerke meinen Fehler. Wie kann ich nur Festaufträge abgeben und aus purer Neugierde mich auf so was einlassen.

Ein Fahrer tröstet mich, bei einem Auslandseinsatz wäre es noch weniger lohnenswert gewesen. Bei 10,-€ brutto in der Stunde, bleiben dann noch nach Steuer und nach einem 10 Stunden Tag 80,- €. Von diesen 80,- € verpflegt man sich dann noch und es bleiben dann 50,- € für den Tag. Diese Veranstaltungen sind oft nicht in den günstigsten Orten. Man soll ständig verfügbar sein, dass macht die Verpflegung dann etwas teuerer. Ein kleiner Trost ist, dass man einen tollen Schlitten unter dem Hintern hat. Von den fremden Städten lernt man vor dem Veranstaltungsort oder in der Hotelhalle auch nicht soviel kennen. Ich selbst schmeiße nach zwei Stunden das Handtuch – respektive die Krawatte und steige erlöst in mein Taxi.

Liebe Kollegen seid nicht böse auf die Limousinenfahrer, sie wollen das gleiche wie wir, mit Personenbeförderung Geld verdienen. Geld verdient wird bei diesen Aktionen woanders. Veranstalter dieser Fahrdienste müsste man sein. Kapital wird nicht viel benötigt. Die Autos werden von den Herstellern gestellt. Die Rechnung der Fahrer, Zahlungsziel bis zu sechs Wochen wird ausbezahlt, wenn der Auftraggeber bezahlt. Benefit liegt in der Differenz zwischen den Stundensätzen die der Auftraggeber bezahlt und dem Stundensatz der dann dem einzelnen Fahrer überwiesen wird. Natürlich ist nichts geschenkt, der Veranstalter muss die Organisation übernehmen. Kontakte zu den Herstellern, zu Fahrern und eine großzügige Genehmigungsbehörde sind allerdings nötig.



Ich persönlich bin dankbar für die Einblicke und werde in Zukunft den Limousinenfahrern freundlicher begegnen. Wir Taxiunternehmer könnten uns ja selbst um solche Aufträge kümmern. Einen Pool von stadtkundigen Fahrern haben wir ja täglich vor Augen. Unsere Genehmigungsbehörde kennen wir seit Jahren. Und sind wir nicht mehr oder weniger sogar Kunden genau dieser Fahrzeughersteller, die bevorzugt auf diesem Sektor ihre Fahrzeuge stellen. Ich packe mich an meiner eigenen Nase. Nicht schimpfen, nur nachdenken, warum wir nicht selbst auf die Idee gekommen sind.

Kommentare:

  1. Hmmm 11.- Euro brutto - irre ich mich oder sieht das etwas nach Dumping-Lohn aus?

    Wobei - wenn ich mir mal vergegenwärtige was ich als selbstfahrender Unternehmer allein im letzten halben Jahr an grotesk hohen Werkstattrechnungen abgedrückt habe nur damit ich ein Auto habe mit dem ich arbeiten kann:

    So ein angestellter Limousinenfahrer mit vom Hersteller gesponsertem Fahrzeug trägt ja da ein äußerst geringes Risiko.

    Hat der Wagen ´nen Defekt: Kein Problem. Audi richtet es gratis. Setzt man das Ding gegen ´nen Baum: Macht nix. Man ist versichert und nicht man selbst wird mit höheren Monatsprämien bestraft sondern höchstens der Chef.

    Mal überlegen...vielleicht wechsel ich den Beruf? ;-)

    Haben die beim Veranstalter diesmal ausnahmsweise nachgeschaut ob deren Fahrer auch ´nen P-Schein haben?

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  2. Die, die ich kenne, haben einen FzF. Aber ob es der richtige ist? Der Betriebssitz der Veranstalter ist in einer Gemeinde mit mehr als 50.000 Einwohnern. D.h. selbst die Mietwagenfahrer müssten einen Ortskundenachweis vorweisen können? Von welcher Stadt? Gilt der Schein und die Genehmigung auch im Ausland? Schließlich ist es Kabotageverkehr. Wie ist das mit der Rückkehrpflicht der Mietwägen? Wie viele dieser Fahrzeuge laufen auf einer Genehmigung? Wie viele Genehmigungen zum Mietwagenverkehr nach § 49 PBefG hat der Veranstalter? Warum genehmigt die unterste Verkehrsbehörde am Betriebssitz des Veranstalters den Betrieb mehrerer Fahrzeuge auf nur einer Genehmigung? Ist das alles durch die Stuttgarter Sondervereinbarung abgedeckt?
    Die Antworten auf diese Fragen überlasse ich unseren Landesverband für Taxi- und Mietwagenunternehmer.

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  3. Wennstes dem Landesverband (oder sonst wem) überläßt hast Du schon verloren. So wie ich das sehe ist es bei der meiner Meinung nach massiven personellen Unterbesetzung der zuständigen öffentlichen Stellen mehr als unwahrscheinlich daß da vernünftig nach dem Rechten gesehen wird.

    Wie schnell würden wohl die Deutschen auf den Straßen hier fahren wenn sie von vorneherein wüßten daß sie höchstens alle 6 bis 7 Jahre mal auf eine Radarkontrolle stoßen? Dasselbe gilt im übertragenen Sinne auch für die Limousinenunternehmen und deren Personalpraxis.

    Zufällig ist mir bekannt daß in dieser Branche nicht alles mit rechten Dingen zugeht was korrekt lizensiertes Personal angeht, und zweitens scheint die Haupttriebfeder für Kontrollen in der von Dir erwähnten Mißgunst der Taxikollegen zu bestehen...die üben dann Druck auf die Behörden aus und dann passiert (vielleicht) ab und an etwas.

    Ich gehe trotzdem davon aus daß die meisten Limousinenservices regelmäßig Studenten und andere "billige Arbeitskräfte" ohne jeden Personenbeförderungsschein einsetzen - Hauptsache die Kasse stimmt (unternehmerisches Grundbesteck halt).

    "Wo kein Kläger, da kein Richter", und warum soll man ohne Kontrollen der Erfüllung rechtlicher Pflichten nacheifern? Es gibt ja nicht mal ein "Fleißbildchen" dafür. Dies soll aber kein Vorwurf an Dich sein. Ist nur sowas wie eine allgemeine Feststellung mit -zugegeben- leicht sarkastischem Unterton.

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