Montag, 15. Februar 2010

Max Manus

Seit Donnerstag läuft Max Manus in den deutschen Kinos. Der Film, nach dem Drehbuch von Thomas Nordseth-Tiller, ist eine deutsch – dänisch – norwegische Koproduktion. Mit Aksel Hennie in der Titel-, und Ken Duken, Agnes Kittelsen in weiteren Rollen. Der Film wurde bereits 2008 produziert und in den norwegischen Kinos gezeigt. Ein Viertel der Norweger haben den Film gesehen. Max Manus, ein Widerstandskämpfer gegen die deutsche Besetzung Norwegens, ist in Norwegen ein weitläufig bekannter Volksheld. Der Film hat mich animiert mich mit dem interessanten Leben des Max Manus zu beschäftigen.


Max wird am 09.12.1914 in Bergen geboren. Noch in seiner Jugend zieht er mit seinem Vater nach Kuba. Dort arbeiten sie im Büro bei Maxens Onkel, einem Schiffshändler. Sein Vater und seine Geschwister kehren zurück nach Norwegen. Max bleibt bei seinem Onkel und befährt als Leichtmatrose auf Frachtschiffen die nördliche Welthalbkugel.
Mit 24 Jahren kommt auch er nach Norwegen zurück.



Skandinavien, besonders Finnland, ist während des Zweiten Weltkriegs geostrategisch sehr wichtig. Es liegt an der Schlüsselposition für den Einsatz der sowjetischen Nordmeerflotte und kann als Aufmarschgebiet gegen einen Angriff auf die Sowjetunion genutzt werden. Finnland, einst dem Zarenreich zugehörig, erlangte nach der Oktoberrevolution Souveränität. Finnland stand unter großem deutschen, rechtsnationalen Einfluss. Während der Winterkriege 1939/40 konnte die nur schwach ausgestattete finnische Armee (30 Panzer, 100 Flugzeuge mit blauem Hackenkreuz als Hoheitszeichen, 100 Flugabwehrgeschütze, … ) dem sowjetischen Andrang sehr schwer standhalten. Finnland wurde von der Wehrmacht und vielen freiwilligen Norwegern unterstützt. Auch Max meldete sich und kämpfte während der Winterkriege gegen die Rote Armee. Während des gesamten Films gibt es Rückblenden auf diese Geschichte. Das Foto zeigt drei Norweger die 1940 in der finnischen Armee kämpfen.

Molotow war zu dieser Zeit Vorsitzender des Rats der Volkskommissare (vgl. Ministerpräsident). Die Finnen mussten mit einfachsten Mitteln gegen Panzer antreten. Sie mischten aus Benzin und Öl Brandsätze in Flaschen und schleuderten diese brennend gegen vorrückende Panzer. Der Molotowcocktail war geboren.

Norwegen kapituliert im Juni 1940. Max betätigt sich im Widerstand gegen die deutschen Besatzer. Unter anderem gibt er eine illegale Zeitung heraus.
Im Januar lauert ihn die Gestapo in seiner Wohnung im Vidars Gate, Oslo, auf. Zunächst rettet er sich durch einen waghalsigen Sprung aus dem Fenster. Schwerverletzt wird er in die Universitätsklinik eingeliefert. Obwohl er dort bewacht wurde, gelingt ihm mit Hilfe seiner Freunde und dem Krankenhauspersonal die endgültige Flucht. Er kann sich über die Grenze nach Schweden absetzen.
Innerhalb der englischen Armee gibt es eine norwegische Kompanie die in Schottland stationiert ist. Er tritt in diese Norwegian Independent Company No. 1 (NORIC 1) ein. Er wird nach einer Kurzen Ausbildungszeit mit Kameraden in der Nähe Oslos mit dem Fallschirm abgesetzt. Ihre Aufgabe: Sabotage. Haupteinsatz: Die unter Auftrag und Befehl der deutschen Reichsmarine stehenden Schiffe im Hafen von Oslo zu versenken. Das erreichen sie, indem sie magnetische Minen unter der Wasserlinie an die Schiffe heften. 1943/44 versenkt das Kommando bedeutende Schiffe. Gleichzeitig betätigt er sich in der Oslo – Bande, einer Sabotagegruppe und der Propaganda – Organisation Derby.


Nach dem Krieg wird er als Leibwächter der königlichen Familie Norwegens eingesetzt. Zusammen mit Sophus Clausen gründete er eine Firma, die Clausen und Manus, die er dann später in die Max Manus S/A umwandelt. Die Firma vertreibt als Agentur Olivetti und Phillips – Geräte in Norwegen. Die Firma konstruiert auch eigen Geräte für Spracherkennung und –aufzeichnung in norwegisch und dänisch. Die norwegische Polizei und Rettungswesen ist mit Max Manus Geräten ausgestattet. In diesem Bereich hat sich das Unternehmen zu einem bedeutendem Partner in Skandinavien entwickelt. Das Logo der Firma sind zwei rote zu M´s stilisierte Elefanten.


Max war mit Ida Lindebrakke, der Schwester des konservativen Politikers und Vorsitzenden der Partei Hoyre (dt.: Rechts) Sjur Lindebrakke, verheiratet. Aus dieser Ehe gingen drei Kinder hervor. Die Letzten Jahre seines Lebens verbrachte Max in Spanien, bis er am 20.09.1996 in Barum verstarb. Max Probleme mit Alkohol und Depressionen wurden auch im Film angedeutet.

Diese Biographie schreit regelrecht nach Verfilmung. Der Film endet schon als Max endlich mit einer norwegischen Uniform als Leibwächter König Hakkonens im Auto durch eine fahnenschwingende Menschenmenge fährt.

Max ist eine spannende Figur. Patriotischer Widerstandskämpfer. Während des Winterkriegs unterstützte er, ob er wollte oder nicht, die Wehrmacht. Später sind das seine bittersten Gegner. Wie geht Max damit um, dass er als Norweger in Kampfeinsätzen zuerst die finnische und dann die englische Uniform trägt? Die norwegische Armee wird in Afghanistan in einem Krieg gegen die UNO – Resolution eingesetzt und fungiert als Besatzer. Wie hätte Max reagiert? Es gibt in rechten Kreisen die Losung vom „Nationalen Widerstand“. Welche Haltung hätte dazu ein Patriot wie Max?

Der Film wirft eine Menge Fragen auf. Alleine deshalb war er es mir wert ihn anzusehen.

Foto: Norweger als Freiwillige im Winterkrieg Quelle: Finnisches Kriegsarchiv, frei seit 1990.

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