Sonntag, 7. Februar 2010

Am Rande der Sicherheitskonferenz


Heute habe ich keine Vorbestellung. Ich freue mich schon auf eine richtige Taxischicht. Einen Taxistand aussuchen. Aufstellen. Motor und Heizung laufen lassen. Radio hören, Zeitung lesen und der Dinge harren die da kommen mögen. Ich starte im Norde von München. Die Sicherheitskonferenz und die Protestveranstaltung ist im Zentrum. Weit weg von mir. Noch!

Die erste Fahrt ging von meinem Standplatz Hotel Renaissance nur nach Schwabing. Eigentlich viel zu schnell. Ich hatte mich gerade eingerichtet. Also kehrte ich wieder um und versuchte mein Glück von Neuem. Die zweite Fahrt ging dann vom Hotel zu Flughafen. So habe ich mir das vorgestellt. Eine schöne Fahrt 50,- € und dann schön Zeit für das Internet. Am Flughafen standen so viele Taxis, dass ich mich am Samstagnachmittag nicht mehr in den Speicher vor dem Modul 2 aufstellen konnte. Ich musste noch mal zwei Kilometer zurück zum Vorspeicher in der Nähe der AGIP – Tankstelle. In Flughafenfahrerkreisen einfach nur AGIP. Selbst dort standen zu meiner Überraschung schon vier Reihen, d.h. ca. 55 Taxis bereit. Als ich aussteige erkennt mich mein Kollege Robert. Wir rauchen und quatschen unter der geöffneten Heckklappe meines Taxis. Die Taxis gehen weg wie warme Semmeln. Es reißt. Er muss nach 5 Minuten hoch, ich folge nach weiteren 20 Minuten. Nach insgesamt 1,5 Stunden bin ich wieder auf der Autobahn A9 unterwegs zurück in die Stadt.
Meine Fahrgäste, drei U.S. Amerikanerinnen, Typ Golden Girls, auf Reisen. Das Fahrziel; Hotel Excelsior, Schützenstrasse 11. Ich denke mir immer noch nichts. Noch!


Die Fahrt in die Stadt verläuft zügig. Ich denke schon an den schönen Umsatz in der kurzen Zeit. Wir amüsieren uns über den fetten Stau auf der A9 Richtung Norden. Alles Skifahrer, die zurück nach Hause wollen. Sofort werden die Ehegatten an der Ostküste informiert. Im Gegenzug erfahren wir, dass es in Seattle heute 22 inch Neuschnee gab.

Kaum am Altstadtring in der Stadt angekommen stauen sich schon die Autos vor dem Pacha. Ich gleich nach rechts, über die Karlstrasse, links in die Meiser, dann über die Sophien am Charles Hotel vorbei zum Bahnhofsplatz. Auf der freien Fläche am alten Botanischen Garten steht schon eine ganze Batterie Polizei VW Busse. Ich fotografiere die Wägen im Vorbeifahren. Der große rote Ring im Hintergrund macht sich ganz gut. Ein Streifenwagen steht in der Luisenstrasse und blockiert den Bahnhofsplatz. Wir versuchen durchzukommen, als wir feststellen, dass wir nur nach rechts abbiegen können, drehe ich wieder um und versuche über die Elisenstrasse und Stachus zum Hotel zu kommen. Stachus auch gesperrt. Also von der Luisen- in die Luitpold. Die letzten Meter der Luitpold sind Einbahn gegen unsere Richtung. Uns bleibt nichts Anderes als das Taxi zu parken und die letzten Meter zu Fuß zu gehen. Meine Fahrgäste haben zwei neue deutsche Wörter gelernt. Gesperrt und Einbahnstrasse. Ich lasse die Ladies aussteigen, schiebe, ziehe und trage ihr umfangreiches Gepäck durch die gespenstisch ruhige Innenstadt. Die Einzigen, die uns begegnen sind Passanten mit Koffern und Reisetaschen. Auf der Rückfahrt streife ich den Bahnhofsplatz. Ein seltener Anblick, keine Autos, Fahrgäste die am Taxistand warten. Ich komme aber nicht durch. Leider muss ich die Gäste warten lassen. Der Datenfunk bietet mir wiederholt Aufträge an. Ich schalte auf besetzt und sehe zu, dass ich so schnell wie möglich aus der Innenstadt komme.



Es gibt seit 2001, seit der ersten Afghanistan-Konferenz, am Petersberg in Königswinter bei Bonn ein eigens und errichtetes gut zu sicherndes Verhandlungszentrum. Dieser Standort wäre für die 47. Sicherheitskonferenz mehr als geeignet.

Am Samstag kam dann noch ein Überraschungsgast zu uns nach München. Der Außenminister des Irans Manucher Mottaki. Mottaki läuft damit dem Außenminister der Volksrepublik China, Yang Jiechi, den Rang ab. Der chinesische Außenminister war das erste Mal bei der Sicherheitskonferenz in München anwesend. Russland schickte auch gleich hochrangiges Personal; Außenminister Sergey Lavrov. Sonst blieb alles beim Alten. Mottaki nimmt eine weitere Idee der Atombehörde auf, wie der Iran zu angereichertem Uran kommen könnte. Die U.S.A in Person des Obama – Mannes und U.S. Senators Joe Liebermann droht dem Iran offen mit einem Krieg. Das brachte sogar dem U.S. Außenminister Robert Gates in Verlegenheit.

Lavrov kritisierte weiterhin die NATO – Osterweiterung. Eine wichtige Entscheidung, z.B. dass die 47. Sicherheitskonferenz 2011 in Königswinter stattfindet, ist nicht gefallen. Dort wäre die Konferenz ebenso überflüssig wie in München. Würde dort aber viel weniger Leuten auf die Nerven gehen .

Jetzt sind schon wieder Teile in der Innenstadt gesperrt. Heute ist es ein Faschingsumzug – dort weiß man wenigstens von Anfang an dass nichts ernst gemeint ist.

Kommentare:

  1. Na, da hast Du jetzt mal am eigenen Leib gespürt, was in Berlin Alltag ist. ;-)
    Und ein Faschingsumzug bleibt nicht mal uns erspart.

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  2. Da würde ich mir in Berlin einen Gepäckwagen und Wanderschuhe ins Taxi legen.

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