Donnerstag, 25. Februar 2010

Allmächt

Ich habe noch eine Fahrt nach Nürnberg. Die Nachrichtensendung um 23 Uhr des Bayerischen Rundfunks beginnen mit der ersten Meldung:

Die EKD – Ratsvorsitzende Margot Käßmann ist wegen der Vorwürfe zu ihrer Trunkenheitsfahrt im Dienstwagen von ihrem Amt zurückgetreten.

Es folgt die zweite Meldung:

Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger und der Erzbischof Zollitsch seien nun doch zu Gesprächen bereit. Der Erzbischof hatte zuvor der Ministerin, nach ihren Vorwürfen, die katholische Kirche würde die Aufklärung sexueller Missbrauchsfälle behindern, ein Ultimatum gestellt. Die Ministerin solle sich binnen 24 Stunden entschuldigen.

Noch Eins drauf. Die dritte Meldung:

Abt Barnabas, der Prior des Benediktinerklosters, gibt seine Ämter auf. Nach den sexuellen Missbräuchen an den Schülern des Internats des Klosters in den 60er und 70er Jahren sind nun 2005 weitere Fälle aufgedeckt worden, in denen sich katholische Geistliche an ihren schutzbefohlenen Kindern vergangen haben. Barnabas hat die bischöflichen Leitlinien nicht befolgt, demnach er die Fälle dem Bischof anzeigen hätte müssen.

Soweit die Meldungen.
Die dritte Meldung bestätigt, dass die katholische Kirche nicht nur die Aufklärung behindert, sondern durch das Schweigen der Mitwisser sogar im Keime erstickt.
Wenn der Katholik und Abt des Klosters Ettal in diesem Fall als Christ versagt, so ist das ein nicht mehr gutzumachender Frevel an den unschuldigen Opfern, ein moralisch durch nichts gerechtfertigtes Schützen der Täter, ein Verrat an seinen eigenen Idealen. Sexueller Missbrauch ist ein Verbrechen. Unabhängig sexueller Gepflogenheiten und Verhaltensrichtlinien in religiösen Gemeinschaften oder Sekten, muss das der Staatsanwaltschaft gemeldet werden. Auch wenn es in der Praxis immer wieder anders gehandhabt wird, gilt das auch für Katholiken.
Am selben Tag erdreistet sich ein anderer Vertreter der katholischen Kirche, Erzbischof Robert Zollitsch, eine Entschuldigung von einer Ministerin zu fordern, die genau das ausspricht, was des Bischofs Glaubensbruder bestätigt. Die katholische Kirche als Organisation vertuscht sexuellen Missbrauch in ihren Reihen. Angesichts dieser Tatsachen frage ich mich, wie lange der Staat noch die Kirchensteuer eintreiben will?
Ich bin auf dem Weg nach Nürnberg, zu diesen Nachrichten fällt mir nur noch ein: Allmächt!

Kommentare:

  1. Wirklich; leider. Es mag schon stimmen, dass das Opfer vor Öffentlichkeit geschützt werden soll. Und für das einzelne Opfer kann das richtig sein. Das Problem dabei ist, dass die Täter dann weiter und weiter neue Opfer finden. Die aktuellen Fälle zeigen, dass der Missbrauch über Jahrzehnte ausgeübt wurde. Das Beste wäre eine vertrauensvolle Beziehung zwischen Eltern und Kindern.
    Es wurden weitere Verdachtsfälle im Raum Augsburg bekannt, ganz aktuell im Kloster St. Ottilien, westlich von München, allesamt katholische Einrichtungen.

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  2. Vor der Käßmann zieh ich den Hut, die hatte die Konsequenz, die den meisten sog. „Verantwortungsträgern“ fehlt.
    Zur katholischen Kirche fällt mir eh nur ein, daß das durch die Bank ein Verbrecherverein ist und immer war.

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