Wir Schüler warteten vor dem Schultor auf den Unterrichtsbeginn. Zweimal im Jahr fuhr ein abenteuerlich bepackter PKW vor das Schultor. Auf dem Dachgepäckträger war eine große Rolle, die Leinwand, befestigt. Durch die Fenster konnten wir auf den Rücksitzen die Lautsprecher erkennen. Der Fahrer stieg aus und verteilte einige Kopien die mit Wachsmattritzen gezogen wurden. Wenn ich mich daran erinnere habe ich wieder den beißenden Geruch der Abzüge in der Nase. Es waren Einladungen zu Filmvorführungen die dann nachmittags im Dorfgasthaus gezeigt wurden. Es waren die Karl May Verfilmungen mit Pierre Brice und Lex Barker. Winnetou I bis III, Der Schatz im Silbersee … . Im Gegensatz zu den Filmen im Fernsehen waren die Filme im Wanderkino in Farbe. Es gab schon Farbfernsehgeräte, diese waren aber sehr teuer. Bei Fußballübertragungen wurden die Geräte in die Gaststuben gestellt und der Wirt schrieb mit Kreide auf die Werbetafeln „ Heute um 19:30 Fußball … gegen … in FARBE“ . Ähnlich der Sky-Reklametafeln heute.
Als wir dann vor 10 Jahren unseren Taxibetrieb in der Theresienstrasse aufnahmen brauchten wir dringend Fahrer. Es war wieder Fußballeuropameisterschaft. Wir kopierten Einladungskarten in unser Büro zum Fußballschauen. Der Spaß war, das wir anpriesen: „in FARBE“
Als ich letzte Woche vor der Kirche wartete um die Fotos für den letzten Post zu machen, sprang mir ein kleines Werbeplakat ins Auge.
Das gibt es also noch. Das Wanderkino! Das hätte ich mir nicht träumen lassen. Heute im Zeitalter des Farbfernsehens mit bis zu 40 Programmen, der Kinocenter in der nächsten Stadt, der Blue-Ray Player und den Internetplattformen zum Herunterladen der neuesten Filme. Das soll mein ganz persönlicher nostalgischer Rückblick für den letzten Tag im Jahr sein.
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