Ich hab sie auch gesehen, die kleinen weißen Smarts mit den blauen Dächern. Stehend und fahrend. -> Tony, unser Ortskundelehrer hat mich in einem Kommentar darauf hingewiesen, dass ich etwas über das im Taxigewerbe mit Interesse verfolgte Projekt der Daimler AG schreiben solle.
Von Außen fallen die Smart fortwo CDI Fahrzeuge durch ihre wie oben beschriebene Lackierung auf. Und sie haben es in sich. Hinter der Windschutzscheibe innen auf der linken Seite ist ein Kartenlesegerät. In der Konsole befindet sich ein Telematikgerät mit Telefonruftaste. Im Handschuhkasten liegt der Zündschlüssel und eine Tankkarte.
Das Video ist kein Werbevideo, sondern das Ergebnis einer Pressekonferenz im März dieses Jahres
Um so ein Fahrzeug zu benützen muss man sich in der car2go-Registrierungsstelle registrieren lassen. Dabei wird die Bankverbindung angegeben. Es wird keine Kaution verlangt. Auf den Führerschein wird ein Siegel aufgeklebt. Unter dem Siegel ist ein Funkchip.
Jeder Teilnehmer kann jedes Fahrzeug benutzen. Die Smarts stehen an Parkspots in der Ulmer Innenstadt, auf eigens für car2go reservierten Parkplätzen in Parkhäusern oder auf öffentlichen Parkflächen. Zum Leidwesen der Taxifahrer sind einige dieser Parkspots sehr nahe an den Taxiständen. Die Fahrzeuge können über Telefon oder Internet vorreserviert werden.
Der Führerschein wir von außen an das Kartenlesegerät gehalten und die Fahrzeugtüre öffnet sich. In das Telematikgerät gibt man seinen persönlichen Sicherheitscode ein. Jetzt ist das Fahrzeug freigeschaltet. Mit dem Zündschlüssel aus dem Handschuhfach kann man das Fahrzeug wie gewohnt benutzen. Über die Ruftaste ist man jederzeit mit dem car2go-Team über Telefon verbunden. Will man das Auto nach dem Aussteigen weiter benutzen, wird es einfach mit dem Funkschlüssel abgesperrt. Ein Lämpchen am Kartenlesegerät signalisiert dem potentiellen car2go Nutzern: Dieses Auto ist besetzt. Wird das Auto nicht mehr benötigt, stellt man das Fahrzeug auf einem beliebigen öffentlichen Parkplatz im Stadtgebiet in (Neu-) Ulm ab und schaltet es einfach mit dem Funkchip im Führerschein wieder frei.
19 Cent bezahlt man für eine Minute, höchstens 9,90 € in der Stunde und höchstens 49,- € für einen ganzen Tag (24 Stunden). Versicherung und Reinigung inklusive. Anders als bei den meisten Autovermietern wird selbst das Benzin von car2go bezahlt. Jeder Nutzer darf car2go höchstens für 2000 Kilometer im Monat benutzen. Die car2go Leute tanken die Fahrzeuge. Die Smarts stehen betankt bereit. Mit der Tankkarte im Handschuhfach kann an jeder Shell Tankstelle in Deutschland nachgetankt werden.
Am 24.Oktober.2008 ist das Projekt mit 50 Fahrzeugen gestartet. Nutzer waren Anfangs nur ca. 500 Daimler Mitarbeiter und deren Familienangehörige. Inzwischen gibt es 200 Fahrzeuge und über 13.000 eingetragene Nutzer. Vor drei Wochen ist das gleiche Projekt in Austin, Texas gestartet. Daimler selbst sagt, dass Ulm für den gewinnbringenden Einsatz etwas zu klein wäre. Eine Befragung der Universität Ulm ergab, dass das Projekt bei 93% ! der Ulmer bekannt war. 80 % verwenden car2go für one-way-Fahrten. Typisch sei, mit dem car2go zur Party, Restaurant, ins Kino … zu fahren und mit dem Bus oder Taxi wieder zurückzukommen. Ulmer car2go Fahrzeuge waren auch schon in Leipzig oder Berlin. Die Gruppe der Berufspendler werden immer mehr. Interessant wäre auch ein Netzwerk über mehrere Städte, das könnte weitere Benutzergruppen zu car2go bringen.
Ich versuche mir auszumalen, was das für uns Taxifahrer bedeuten würde, wenn in München z.B. am Bahnhof ein Parkspot von car2go eingerichtet werden würde. Was ist mit den Flughafenfahrern, wenn die Kunden am Terminal in ein car2go Fahrzeug einsteigen und für 9,90 € in die Innenstadt fahren?
-> Was aus dem Pilotversuch geworden ist
Da gäbe es schnell ein Angebot-Nachfrage-Problem... die Anzahl an Taxen am Flughafen / Hauptbahnhof ist quasi unendlich, da ständig Nachschub kommt... das kann man von den car2go-Fahrzeugen nicht behaupten. Ganz abgesehen davon: Wenn alle in die Innenstadt wollen, müssen die Smarts auch irgendwo parken. Nur wo? Die Parkhäuser sind eh meist rammelvoll.
AntwortenLöschenlieber reinhold,
AntwortenLöschendanke für deinen bericht über car2go. der erfahrungsbericht seit dem start vom 26.märz 2009 ist interessant. kommentare über car2go in der regel, wann kommt das zu uns? speziell dynamische, junge leute nutzen dieses angebot. angenommen, diese kleinen flitzer sind verfügbar am flughafen oder kultfabrik. der benutzer kann eindruck gewinnen, wenn er ein siegel auf seinem führerschein hat und gleich starten kann. beispiel: vor der kufa stehen mehrere dieser car2go und der lover kann seiner neuen bekanntschaft gleich imponieren, in dem er mit ihr gleich mit dieser knutschkugel fahren kann - preiswerter und individueller als mit einem taxi. das produkt besetzt durchaus das segment „taxi“. ein ausspruch: es wird nichts so bleiben, wie es einmal war. das modell in frankfurt “citysmart“ ist etwas anders.
mit internetten grüßen
servus tony :-)
Hallo Liebe Münchner Kollegen,
AntwortenLöschenich arbeite als Taxifahrer in Ulm, kann Euch also direkte Informationen und Erfahrungen mitteilen.
Car2go läuft jetzt seit 10 Monaten bei uns, hat aber bis jetzt nicht zu größeren Umsatzrückgängen bei uns geführt.
Es hat sich herausgestellt, dass unsere Kundschaft weiterhin größtenteils mit uns fährt. Car2go Kunden sind hauptsächlich junge Leute, die anstatt mit Bus und Bahn lieber Car2go fahren.Schlecht für die Umwelt, aber gut für uns.
Nicht jeder möchte sich in einen Smart quetschen. Man kann nichts transportieren.Mehr als 2 Leute passen nicht rein. Mit Alkohol fahren geht natürlich auch nicht.Auch die Verfügbarkeit ist nicht so toll, oft muß man 500 m und mehr laufen, um zum Car2go zu gelangen. Nicht zu Vergleichen mit der Bequemlichkeit eines Taxis.
Allerdings könnte es sein, dass es bei eine Austockung auf mehr als die bisherigen 200 Car2go´s,doch zu wesentlichen Umsatzrückgängen bei uns kommt.
Das größte Problem für car2go sind die innerstädtischen Parkplätze.Ohne diese funktioniert das Geschäftsmodell nicht.
In Ulm hat die Stadtverwaltung großzügig Standplätze in Parkhäusern und auch oberirdisch zur Verfügung gestellt. Warum weiss man nicht so genau.Car2go bezahlt Miete dafür, aber welche Summen ist nicht bekannt. Vielleicht ist die Stadt München da loyaler zu ihren Taxifahrern und stellt Euch die Konkurrenz nicht direkt vor die Nase.
Liebe Grüße aus Ulm.Für weitere Fragen stehe ich gerne zur Verfügung.