…dachte ich mir noch am Anfang dieses Monats. Ich hatte 3.000,- € in der Tasche, gültige Papiere und jeden Tag am Flughafen. Ein tolles Gefühl zu wissen, man könnte jederzeit an jeden Ort auf dieser Welt kommen. Aber! Taxigenehmigungen müssen alle fünf Jahre verlängert werden. Dazu braucht man Unbedenklichkeitsbescheinigungen von Finanzamt, AOK, Stadtsteueramt und Berufsgenossenschaft. Und noch, wie in jedem Personenbeförderungsbetrieb, einen Kapitalnachweis. Also zahle ich meine sauer erfahrene, ersparte und versteuerte Barschaft auf mein Geschäftskonto ein und hole mir die Bestätigung über meine finanzielle Leistungsfähigkeit. Jetzt kommt das Finanzamt und bucht mir die Umsatzsteuervorauszahlung für das Quartal schon mal ab. Weil wir gerade beim Quartal sind wird gleich noch die Einkommenssteuervorauszahlung zwei Tage später abgebucht. Auf dem Konto ist jetzt Ebbe.
Noch nicht genug!
2007 hatte ich im ersten Halbjahr einen Job im Büro, ich konnte nicht soviel Taxi fahren. Es war keine Gewerbesteuer fällig, ich bezahlte ja Lohnsteuer.
Bei der Gewerbesteuer gibt es bei Personengesellschaften und Einzelunternehmern einen Freibetrag von 24.500,-€ bei Gewinn / Ertrag. Alles was darüber hinaus geht, wurde mit einem Faktor zwischen 1 und 5 % zur Berechnung des Messbetrages verwendet. Dann kam die Unternehmenssteuerreform 2008 und damit ein fixer Prozentsatz von 3,5%. Ein Vorteil für die Betriebe mit mehr Gewinn; früher waren es bis zu 5 %, (für die Bemessung) jetzt nur noch 3,5%. Die kleinen Betriebe, die früher um die 1 oder 2% hatten, haben jetzt auch 3,5% und somit einen höheren Messbetrag und eine höhere Gewerbesteuer zu zahlen.
2007 musste ich keine Gewerbesteuer bezahlen. In der Folge gab es 2008 keine Vorauszahlung. Für die wurden ja die Zahlen von 2007 zugrunde gelegt.
Da braut sich ja einiges zusammen. Ich stehe brav und unschuldig mit meinem Taxi am Flughafen in der Reihe, höre im Radio einen Bericht über die Bundestagsabgeordneten, die sich noch kurz vor dem Ende ihrer Amtszeit schöne Montblanc – Füller auf Staatskosten bestellt haben, da erreicht mich ein Anruf meiner Frau. Ein Brief vom Finanzamt ist gekommen. Die Gewerbesteuer für 2008 und gleich die Vorauszahlung für 2009. „ … am 10.12.2009 buchen wir von Ihrem Konto … bei der Münchener Bank eG den Betrag von … ab“ .
Sofort lasse ich den Brief an meine Steuerkanzlei faxen. Rufe dort an. Mache einen Termin beim Chef. Recherchiere im Internet. Stelle fest: Es hat seine Richtigkeit, wir müssen zahlen!
Ich springe aus dem Taxi laufe kopfschüttelnd die Reihe ab und erkundige mich bei türkischen, persischen und einem syrischen Kollegen was ich machen muss, damit ich in ihren Heimatländern Asyl bekomme. Von den Türken bekomme ich Kaffe und italienisches Gebäck, vom Perser eine Zigarette und vom Syrier eine Tipp.
Um die Steuerlast zu senken, bleibt mir nur ein Ausweg. Ich werde meine Stammkunden bedienen und mich beim Taxifahren enorm einschränken – da bleibt mir auch wieder mehr Zeit zum blogen.
lieber reihold,
AntwortenLöschenich fühle dir nach. mir geht es auch nicht anders.
die nicht beim finanzamt erfasst und aufgezeigt werden, können da nur lachen.
einen schönen tag für dich.
servus ein treuer blogleser