Gestern habe ich meinen ersten Newsletter verschickt. Er enthält kurze Anreißer mit einem Link zu meiner Taxi – Homepage und Blog. Auf der Homepage gibt es Informationen für Taxifahrer und Fahrgäste, Unterhaltsames findet man im Taxi-Blog. Aber da seid ihr ja schon. Selbstverständlich gibt es in jedem Letter einen Link zur An- und Abmeldung.
Am Bahnhof Nord treffe ich Stefan von -> taxipress.de. Es freut mich, dass er auch meinen Newsletter will. Als Dritter bekomme ich eine Fahrt mit fünf Jugendlichen. Manchmal hat der Taxibus auch Vorteile. Als Fahrtziel nennen sie mir das Backstage. Eine Discothek, heute wird das Club genannt, in dem oft Bands Live auftreten. Als inzwischen Tagfahrer kenne ich das Backstage in der Wilhelm-Hale-Strasse, nahe der Friedenheimer Brücke. Die Strecke vom Bahnhof zu der Brücke führt einfach der Arnulfstrasse entlang. Ich fahre los und erzähle von dem alten Backstage in Fürstenried. Das war vor so ungefähr 17 Jahren. Der Betreiber des Backstage, für uns Jungspunde damals ein alter Hippie mit Bart, fuhr mehrmals in der Woche spät in der Nacht oder früh am Morgen von Fürstenried nach Laim. Nach einigen Fahrten war er bei uns Nachtfahrern bekannt und beliebt.
Leo, ein Freund und Kollege, und ich standen in der FINA – Tankstelle bei der Kaffeepause. Es tauchten zwei junge Frauen auf. Das Kennzeichen ihres Autos verriet uns, dass sie aus der Gegend um Ulm kamen. Das Aussehen der Beiden war mehr als interessant und macht uns Neugierig. Beide waren Schwarz in Schwarz gekleidet. Zu den löchrigen schwarzen Strumpfhosen trugen sie schwere Stiefel. Das Gesicht kreidebleich. Die Haare bei beiden schwarz wie die Nacht. Sie wollten den Weg zum Backstage wissen. Es tritt dort eine bekannte Gruppe auf. Wir entschließen uns ihnen den Weg zu zeigen indem wir einfach mit unserem Taxi voraus fahren. Ein weiterer Grund war unsere Neugier, was da wohl abgeht, wenn solche Leute von soweit her kommen. Wir haben die Beiden auf den Parkplatz gelotst und uns verabschiedet. Schon vor dem Backstage sehen wir uns mitten unter den Schwarzen. Jetzt wo wir schon mal da sind haben wir auch die 10,- Mark für den Eintritt übrig. Irgendwie fallen wir auf. An einem Tisch gleich am Eingang werden Musik-Kassetten und T-Shirts angeboten. Wir entscheiden uns für ein T-Shirt, natürlich in schwarz, mit weißem Aufdruck. Es ist der Name der Band in Gotisch Fraktur (eine alte deutsche Drucktype) und ein furchterregender Totenkopf abgebildet. So ausgestattet gehen wir weiter ins Backstage. Es tritt eine Gothic – Band auf. Bei einem Lied hat der Sänger eine Gasmaske auf und wir hören anstelle des Gesangs nur das schwere Atmen über die Boxen. Ich denke mal das war so gewollt. Der Höhepunkt am Ende des Konzerts: Die Bühne würde mit dünner durchsichtiger Malerfolie aus dem Baumarkt verhängt. Dahinter Band und Sänger. Am Ende des Lieds tritt der Sänger von hinten an die Folie und wickelt sich darin ein.
O heilige Nachtfahrer - Zeit. Wir hatten viel Zeit und Muße für solche Experimente. Das Geschäft ermöglichte das auch.
Inzwischen waren wir in der Arnulfstrasse Höhe Donnersberger Brücke, das ist ungefähr der halbe Weg, angelangt. Hier, sage ich, und deute dorthin wo jetzt der Mercedes Turm steht, war das Backstage nachdem es in Fürstenried war. In der Nähe der Freiheizhalle. Jetzt aber ist es in der Wilhelm-Hale-Strasse. Dort angekommen sage ich:
Da ist es aber ganz schön dunkel.
Der Fahrgast meint:
Weil es jetzt da drüben ist.
Jetzt sind die schon wieder umgezogen! Ein Club – die vierte Adresse. Schlagartig wird mir die Vergänglichkeit bewusst. Der Fahrgast verabschiedet sich noch mit:
Danke für die Geschichtsstunde.
Bin ich jetzt Zeitzeuge einer anderen Generation? Bin ich schon die andere Generation? Nachdenklich fahre ich nach Hause. Im Radio drehe ich solange bis ich Techno empfange. Ach ja Techno, Munich Rave City, das war ja auch noch dazwischen …
Daß das Backstage mal in Fürstenried war, wußte ich auch nicht. Kenne das erst seit der Donnerbrücke.
AntwortenLöschenWahrscheinlich ist es wirklich so, daß man ab 30 für die Kids ein alter Knacker ist. Ich werd immer ganz fuchsig, wenn die mich siezen. :-\
Aber im Endeffekt war das ja für uns auch nicht anders, als wir so jung waren. Da waren doch Leute, die in eine 3 vorne hatten schon Großväter. ;D
Ja, die Zeit vergeht. Das T-Shirt in dem Post, schleppe ich schon seit Jahren von Wohnung zu Wohnung. Das könnten jetzt meine Kinder anziehen. Aber es ist nicht ganz der Modegeschmack der Älteren ;-) und der Kleinen ist es noch zu groß. Wer weiß vielleicht kommt es noch zu ehren. Es ist mir noch aus einem anderen traurigem Grund ein geliebtes Andenken. Leo, auch im Post, ist vor 6 Jahren gestorben. Er war mein erster Fahrer überhaupt. Ist dann zu einem Freund geworden. Schließlich war er Gastwirt. Sein erstes Lokal war "Leos Lounge" in der Rosenheimer / Pariser.
AntwortenLöschenhi reinhold, vergaß dich zu fragen; du hörst techno? dachte eher so zwischen altrocker und marianne rosenberger, gepaart mit lateinamerikanischen klängen. kollegialer gruß robert. hi trixi, falls du grad mal reinschaust
AntwortenLöschen@Anonym: Damals schon. Es gab so Mitte der Neunziger einen Privatradiosender in München. Ich bin mir nicht mehr sicher welcher; Radio Energy, Xanadu oder der mit der Frequenz im Namen. Jeden Samstag Nacht wurde durchgehend über vier Stunden, bis Mitternacht, Techno gesendet. Dabei wurden die BPM (Beats per Minute) langsam erhöht. Ideal für den Anfang der Samstag-Nachtschicht.
AntwortenLöschenAus der NDW habe ich noch alte Kraftwerk – Schallplatten!!! Von der Schiene her kenne ich etwas Techno. Nach der Backstage – Fahrt im Post habe ich im Radio den Sender EGOFM gefunden.
@Anonym (Robert)
AntwortenLöschenalso ich kenne 3 Roberts, die Taxifahren. Ist jetzt nur die Frage, welcher Du bist... Auch hi :P
@Reinhold
den Leo hab ich, glaube ich, vor Urzeiten mal gefahren. Da hat er in der Au, schräg gegenüber vom Falkenstand, gerade ein neues Lokal aufgemacht. Kann das sein, daß er das war?
Schade zu hören, daß er gestorben ist.
Das war der Leo! Nach dem Leos Lounge in der Rosenheimer hatte er mit einem Partner das Ayers Rock in der Maistrasse. Dann mit dem gleichen Partner das Schober, wo du ihn hingefahren hast. Zuletzt war er Kellner im Walchenseer in Obergiesing. Die Beerdingung in der italienischen Kirche im Waldfriedhof war beeindruckend. Neben der Familie waren ca. 400 Trauergäste aus dem Taxi- und Gastronomiegewerbe anwesend. Ein beliebter Mensch.
AntwortenLöschenHab den auch in einer sehr netten Erinnerung, war eine nette Taxifahrt, bei der er viel erzählt hat. Warum ist er denn so früh gestorben?
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