Freitag, 24. Juli 2009

Revolutionswirren im Chiemgau

Im Kloster Seeon ist zur Zeit ein großes Symposium. Chemiker aus der ganzen Welt treffen sich und tauschen sich aus.
-> Tarek hatte alle Hände voll zu tun um die Transfers zu organisieren und die Fahrten einzuteilen. Christian und ich unterstützen ihn.
Vorgestern habe ich eine Gruppe Asiaten vom Flughafen eingesammelt und in das Kloster gebracht. Unterwegs habe ich unseren Gästen schon die malerische Location beschrieben. Ein altes Kloster, mitten in einem See, über einen Damm erreicht man die Insel, das alles ist im schönen Chiemgau. Das Wetter ist schön und ich kann ihnen das Alpenpanorama zeigen. Jetzt setze ich noch einen drauf und trumpfe mit der Geschichte von dem Grab der Zarentochter auf, an dem wir vorbeikommen.

Jetzt biegen wir links ab, fahren über den Parkplatz über den Damm. Das Kloster baut sich vor unserem Blickfeld auf und zieht alle Blicke aus den Mandelaugen auf sich.
Auf der Höhe des Friedhofs zeige ich nach links. Ein kleiner Fetzen des Mausoleums ist zu erkennen. Da! Over there! Here! Look!

Keiner interessiert sich für das Grab. Dabei ist es so eine spannende Geschichte. Die Gäste steigen aus und ich begleite sie zur Rezeption. Der hochrangigste Gast aus China bekommt ein Apartment etwas außerhalb des Klosters zugewiesen. Ich wittere meine Chance mein Zarengrab an den Mann zu bringen. Ich biete ihm an,ihn die paar Meter mit dem Taxi zu seiner Unterkunft zu fahren. Er lehnt dankend ab. Also zeige ich ihm den Weg und vergesse dabei nicht zu erwähnen, dass er an dem Zarengrab vorbei muss. Er interessiert sich auch nicht für die Geschichte. Ist wohl etwas angespannt nach dem Flug aus Peking und er weiten Fahrt.

Ich mache ein paar Aufnahmen mit meinem neuen Camcorder. Ich habe mich noch nicht so richtig über das Schneideprogramm gekümmert. Sonst hätte ich hier schon ein kleines Filmchen aus Youtube eingebettet. Kommt aber sicher noch.

Jetzt kommt -> Christian mit einer weiteren Gruppe. Ich gehe ihm zu Fuß entgegen. Nachdem er seine Gäste versorgt hat, setze ich mich zu ihm ins Taxi um wieder über den Damm zurück zum Parkplatz zu fahren. Wo kommen wir da vorbei? … Richtig! An meinem Zarengrab. Ich zeige ihm das Grab. Was machen wir? Wir fahren vorbei! Ich sitze auf dem Beifahrersitz, Kopf und Finger nach hinten weisend.

Wir gönnen uns eine Pause auf der Terrasse des Restaurants nahe dem Klostersee. Tarek stößt hinzu. Ein neuer potentieller Interessierter! Ich bemerke in einem Nebensatz, das ZARENGRAB. Auch kein Interesse… Ich beschließe die Rolle des tragischkomischen Helden aufzugeben und erwähne keine Wörter mehr wie; Zar, Grab, Revolution, Klassenkampf. Stattdessen kämpft Tarek erfolgreich mit seinen Kommunikationsinstrumenten, Christian erfolglos gegen die Mücken und ich mit knappem Sieg für Brot auf dem Tisch. Für die zwei Menschen, die sich im deutschsprachigen Raum eventuell für das Zarengrab interessieren habe ich ein Bild und die -> Geschichte ins Internet gesetzt.
Die Geschichte findet ihr auf der site unter der Überschrift Entdeckungen.



(Es ist Hochsommer. Auf dem Dach des Mausoleums liegt Schnee. Der geneigte Beobachter erkennt: Ich war schon öfter hier.)


Bei den technischen Instrumenten kann ich auch mithalten und präsentiere die Zoomfunktion in meinem Camcorder. Übrigens. Gestern habe ich eine nette Antwort aus unserer Zentrale bekommen. Ich stehe am Standplatz an der Messe und bekomme über Datenfunk einen Auftrag. Ich fahre los um den Kunden abzuholen. Ich komme vor dem Gebäude an und sehe keinen Fahrgast. Also gehe ich rein an den Empfang und melde mich. „Das Taxi für Herrn Obermeier“. Der Front-Officer (früher Pförtner) sagt mir „Der Herr stand gerade noch vor der Tür.“ Wir gehen beide raus auf die Strasse. Ein langer Blick die Strasse rauf ein langer Blick die Strasse runter. Niemand! Der Pförtner glaubt ich wäre blind und erklärt mir „Er ist nicht mehr da“. Jeder Kollege kennt das Gefühl, dass einen Taxifahrer jetzt übermannt. Ich wieder zurück ins Taxi. Auf Sprechfunk melde ich, dass der Fahrgast nicht mehr da ist und ich vielleicht einen Ausgleich bekomme. Die freundliche Dame aus dem Äther eröffnet mir, dass sie meine Filmchen auf Youtube gesehen hätte, und sie ihr gefallen. Das baut mich natürlich auf und animiert mich gleich wieder zum blogen und filmen.

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